Grußworte

// Erinnern wir uns:

Die Landesbühnen oder  Landestheater wurden vor allem nach den Katastrophen der beiden Weltkriege gegründet; dies aus der notwendigen Hinsicht, dass die je neue Republik neben dem wirtschaftlichen Wiederaufbau sich vor die Aufgabe der Gestaltung einer neuen,  erneuerten  republikanischen Gesellschaft gestellt sah, um so ein demokratisch  inspiriertes Angebot von Kunst und Kultur für möglichst alle Bürger zu sichern; galt es doch, dem Ungeist zu begegnen, der so erfolgreich wie folgenreich Werke der Kunst aus dem gesellschaftlichen Bewusstsein verdrängte oder diese korrumpiert hatte.

// So wurden die Landesbühnen die Theater für Regionen, die nicht über ein feststehendes Theater verfügten. // Der kulturpolitische Wille, Theater allen zugänglich zu machen, wird unterstrichen durch die Überzeugung in der realistischen Einschätzung eigener Möglichkeiten, dass die lebendige Auseinandersetzung mit Musik und den Theaterkünsten für den  Lebenszusammenhang einer Gesellschaft unverzichtbar ist. Sind es doch jene letzten Räume, in denen das Vergangene in das Jetzt drängt, die Gegenwart reflektierend auf Kommendes verweist, die Vergegenwärtigung des Erinnerten Zukunft sucht.

Prof. Klaus Zehelein
Präsident des Deutschen Bühnenvereins 

Die Landesbühnengruppe des Deutschen Bühnenvereins ist fester und unverzichtbarer Partner der INTHEGA und ihrer Städte.

// Das war so, ist so und soll auch so bleiben, denn es ist eine gute und fruchtbare Partnerschaft. // Unsere rund 400 INTHEGA-Städte haben den Anspruch formuliert, Kunst und Kultur auch jenseits der theatertragenden Städte und Metropolen, also auch „in der Fläche“ zu erhalten und zu stärken. Anliegen der INTHEGA-Städte ist es dabei, das Theater im Bewusstsein der Menschen zu verankern und ein qualifiziertes Angebot in ihren Städten zu garantieren. Die INTHEGA sucht dabei natürlich die Partnerschaft derer, die Theater in der Fläche machen. // Einer der wichtigsten Partner war und ist die Landesbühnengruppe mit ihren 23 Landestheatern. Diese Partnerschaft ist eigentlich eine ganz logische und begründet sich in dem Anspruch, Städte und Gemeinden zu bespielen, die nicht über Theater mit eigenen Ensembles verfügen.

Die besondere Qualität der Landesbühnen ist dabei unstrittig, dass für sie – was für die Privattheater schon lange gilt – nicht allein der Markt die Angebote und die Stücke regelt. Gerade dies erscheint mir angesichts der enger gewordenen Spielräume in den vergangenen Jahren von besonderer Bedeutung zu sein. // Schon in den Anfangsjahren der INTHEGA konnte man in den Spielplanstrukturen der INTHEGA-Städte die Angebote der Landesbühnen finden. Viele 1.000 Abstecher haben wir gezählt. Nicht immer konstant, auch mit Rückschlägen, aber auch mit deutlichen Phasen des Aufschwungs. Mit vielen unserer Städte gibt es feste Spielplanverbindungen, nicht wenige Städte greifen fast ausschließlich auf die Landes-bühnen ihrer Region zurück.

// Insgesamt hat sich zwischen der INTHEGA und den Landesbühnen in den vergangenen Jahren eine gute Partnerschaft entwickelt, die regelmäßige Kontakte zwischen den Vertretern der Landes bühnengruppe und dem INTHEGA-Vorstand, in vielen unserer Landesgruppen zwischen den regionalen Landesbühnen und den INTHEGA-Landesgruppen aufweist. Seit dem vergangenen Jahr werden die Spielplanangebote der Landesbühnen nicht mehr nur mit den INTHEGA-Spielplan-Journalen gemeinsam verteilt, sondern sind diese Angebote in das Spielplan-Journal selbst aufgenommen worden. Damit sind die Angebote der Landesbühnen noch unmittelbarer in der Arbeit unserer Mitglieder und Programmverantwortlichen vor Ort angekommen.

// Im Interesse unseres gemeinsamen Anliegens zur Stärkung des Theaters in der Fläche darf ich meiner Hoffnung Ausdruck verleihen, dass die begonnene Zusammenarbeit zwischen INTHEGA und den Landesbühnen auch weiterhin gedeihen möge. Mit Sicherheit ist Theater in unseren Städten nicht alles, aber wie es so schön heißt, wäre auch ohne Theater in der Fläche alles nichts.

In diesem Sinne
grüße ich Sie freundlich

Rupert Kubon
Präsident der INTHEGA 

"Was hier in dieser muffigen Atmosphäre"

// Mit diesem Stoßseufzer betritt der Staatsschauspieler Bruscon in Thomas Bernhards boshaft-hintergründiger Komödie „Der Theatermacher“ die Wirtshausbühne in Utzbach. Sein Satz drückt Leid und Weh eines Wanderbühnendaseins aus, und Bruscon weiß, wovon er spricht:

"Wir gehen auf eine Tournee
und gehen doch nur in eine Falle
sozusagen in eine Theaterfalle."

//  Mit dem Wort „Wanderbühne“ verbindet sich sofort das Bild vom „fahrenden Volk“, das über die Lande tingelt, eine Assoziation, die durchaus auf den Ursprung der deutschen Theatertradition hinweist: Theater wurde in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts von zusammengewürfelten Truppen im Rahmen von Tourneen in kleinen und großen Städten, in Wirtshäusern und Schlössern aufgeführt. Das Spiel richtete sich ganz nach dem Geschmack der Zuschauer, der für Johann Christoph Gottsched meist ein „übler Geschmack“ war. Dabei waren und sind Wanderbühnen Kulturvermittler der ganz besonderen Art.

„Wir brauchen Theater für unser Leben.
Wir brauchen es nicht nur in den großen Metropolen.
Es sollte möglichst von jedem Ort aus erreichbar sein“.

// So Richard von Weizsäcker 1987 vor dem Deutschen Bühnenverein. Ohne die Bespiel theater und ohne die Landesbühnen wäre das in vielen Regionen kaum zu verwirklichen. Menschen, die nicht mobil sind, und zahlreichen Kindern und Jugendlichen bliebe der Zugang zu Theatervorstellungen und Konzerten verwehrt. Gäbe es keine Landesbühnen, man müsste sie erfinden. Das Bild, das Thomas Bernhard vom Abstecher seines  Theatermachers Bruscon nach Utzbach zeichnet, entspricht natürlich nur bedingt der  Wirklichkeit des heutigen Gastspielbetriebs. Die Landesbühnen sind moderne  Theaterunternehmen mit qualifizierten Ensembles, konturenreichen Spielplänen und anspruchsvollen Inszenierungen und unverzichtbar für die deutsche Theaterlandschaft. Der Deutsche  Theaterpreis FAUST, der 2010 als Sonderpreis des Präsidenten des Deutschen Bühnenvereins von Prof. Klaus Zehelein an die 24 Landesbühnen verliehen wurde, unterstrich dies in besonderer Weise.

// Alle zwei bis drei Jahre richten die Landesbühnen an wechselnden Standorten ein  Theatertreffen aus, bei dem Qualität und Repertoirevielfalt als vitale Werkschau zu erleben sind. Dass die Landesbühnentage 2011 erstmalig von einem Bundespräsidenten eröffnet wurden, stellte eine weitere eindrückliche Würdigung des Wirkens der Landesbühnen dar.

Zuhause auf fremden Brettern

// Wenn am Abend zwischen 2 und über 100 Personen beschäftigt sind, damit für Schauspiel, Musiktheater, Ballett, Konzert sowie Kinder- und Jugendtheater an (nahezu) jedem Ort der Vorhang aufgeht, so bedarf es einer Menge Erfahrungen und Vorbereitungen, einer guten Logistik, ausgebuffter Techniker und Beleuchter, umsichtiger Busfahrer, und vor allem: spielfreudiger und flexibler Ensembles. Die Landesbühnen sind gerüstet für diese Aufgabe und somit Spezialisten für jedwede Spielstätte. Sie sind zuhause auf fremden Brettern. Und wenn’s drauf ankommt, eben auch in Utzbach. Im besten Sinne des Wortes sind Landesbühnen Dienstleister, oft aber auch strategischer Partner für den Veranstalter vor Ort.

// Das Repertoire der Landesbühnen ist breit gefächert und zeigt ein großes Leistungsspektrum. Entspricht es auch der Situation der Städte und Gemeinden, die Landesbühnen und private Tourneeunternehmen buchen? Ist der sichere, populäre Titel nicht ungleich mehr gefragt als das Werk eines noch unbekannten Autors? Ist da nicht oft die Angst des Veranstalters vor leeren Stuhlreihen zu spüren, vor unzufriedenen Zuschauern, vor geringen  Abonnementzahlen und rigorosen Kämmerern? Mag sein. Wo der Finanzdruck groß ist, wird der Freiraum kleiner für ungewöhnliche Titel und Theaterformen. // Natürlich dominieren das klassische Repertoire und manch populärer Titel die Spielpläne der Landesbühnen. Das ist nicht anrüchig, im Gegenteil. Auf die Bedürfnisse der jeweiligen Partner einzugehen, spricht für die konsequente Kundenorientierung der Landesbühnen. Gleichzeitig ordnet sich das Programmangebot nicht ausschließlich dem breiten Publikumsgeschmack unter, die Spielpläne zeichnen sich durch die Pflege zeitgenössischer Literatur und das Aufgreifen gesellschaftskritischer Themen aus. Kultur lässt sich eben nicht sinnstiftend vermitteln, wenn ausschließlich die wirtschaftliche Verwertbarkeit zählt. Die Landesbühnen stehen für ebendiese Vielfalt.

// Besonders hervorzuheben ist das umfangreiche Spielplanangebot der Landesbühnen für Kinder und Jugendliche. Damit leisten die Landesbühnen – häufig auch als professionelle Kooperationspartner für Schulen und Bildungseinrichtungen vor Ort – einen beachtlichen Beitrag zur ästhetischen Bildung. // Förderung der Arbeit der Landesbühnen in Deutschland ist gleichbedeutend mit der Stärkung regionaler Kulturpolitik. Das fängt bei den Finanzen an und reicht bis zur Sachkompetenz vor Ort. Bei kargen Kulturbudgets fällt es den Veranstaltern jedoch zunehmend schwer, ein deutliches Profil für ihre Bespieltheater zu entwickeln. Die Vorstellungszahlen werden reduziert, das Besucherinteresse schwindet. Solche fatalen Entwicklungen erfordern geeignete Gegenmaßnahmen. Kommunen und Länder sollten bereit sein zu einer strategischen Partnerschaft für die Kultur in der Fläche, einer Partnerschaft, bei der den Landesbühnen eine wesentliche Rolle zufällt. Von den Subventionen der Landesbühnen partizipieren die Kommunen und Veranstalter, die diese buchen. // Die Landesbühnen hinterlassen deutliche Spuren in Deutschlands Theaterlandschaft. Diese Broschüre lädt Sie ein zu einer spannenden Entdeckungsreise.

Kay Metzger
Intendant am Landestheater Detmold
Vorsitzender der Landesbühnengruppe im Deutschen Bühnenverein